Es gibt Worte auf dieser Welt, die sind so ungewöhnlich, so speziell und bisweilen sonderbar, dass sie in keinem Verzeichnis, keinem Wörterbuch und keinem Lexikon zu finden sind. Dabei wären gerade diese Worte für ein eigenes Guinness-Buch wie geschaffen.

Wer weiß es?

Und doch gibt es Menschen, und gar nicht wenige, für die sind diese Worte so selbstverständlich, so alltäglich, wie Zähne putzen oder Auto fahren und keiner weiteren Beschreibung bedürftig. Ein Paradebeispiel dafür ist das Wort Mutschekiepchen. Wird in die Runde gefragt, was sich denn hinter diesem, durchaus wohlklingenden, ja niedlich anmutenden, Begriff verstecken könnte, erhält der Fragende vielfältige Antworten und Reaktionen. Eine der häufigsten Reaktionen ist das beidseitige Achselzucken mit gleichzeitigem verwunderten bis verwirrten Gesichtsausdruck. Auch das mutet meistens niedlich an und könnte allein dadurch mit dem gesuchten Wort in Verbindung stehen. Tapfere, unverdrossene Versuche, die richtige Antwort zu finden, haben zwar meist einen guten Ansatz, scheitern aber letztendlich kläglich durch freiwillige Aufgabe. Es liegt nahe, das Wort in seine einzelnen Silben zu zerlegen und daraus die Bedeutungen feines Mürbegebäck oder Brötchen, von dem mittelhochdeutschen Wort Mutze und ein kleines, auf dem Rücken zu tragendes Körbchen, von der norddeutschen Bezeichnung Kiepe, abzuleiten. Leider falsch!

Coccinella septempunctata

Ein Mutschekiepchen ist eine sächsische Mundart, die Vermutung lag gleich zu Beginn in der Luft, für den kleinen, heimischen Marienkäfer. Das Krabbeltierchen, aus der Ordnung der flugfähigen Käfer, ist weltweit verbreitet und hat eine riesige Fangemeinde. Schließlich steht der Marienkäfer, speziell der Siebenpunkt-Marienkäfer, für Glück und Wohlstand. Aktuell ist sein Bestand hierzulande jedoch durch den robusteren Kollegen aus dem asiatischen Raum sehr gefährdet. Vielleicht hilft es, das Mutschekiepchen als kleines Geschenk weiterzugeben, sei es als süße Schokolade, als Deko-Figur aus Porzellan oder als Aufdruck auf einem Shirt, um so den heimischen Marienkäfer wieder in den Focus zu rücken und sein sympathisches Auftreten und reges Treiben in den Gärten und auf den Wiesen tatkräftig und wohlwollend zu unterstützen.

Comments are closed.